St. Martinus, Benninghausen
St. Martinus Benninghausen
Kurzer geschichtlicher Rückblick

St. Martinus Benninghausen

Geschichte:

Die Pfarrei Benninghausen besteht aus dem gleichnamigen Dorfe mit der Benninghauser Heide nebst den Ortschaften Ünninghausen, Kaldewei und Eickelborn. (seit 1975 zur Stadt Lippstadt)

Der Name - in den älteren Urkunden benninchuson (9. Jahrhundert), benchinhusen (1124), beneckinchusen, benninginchusen, benekeghusen, benninkenhusin, beninkakhusen (1240) u.ä. - hat als ersten Teil einen altdeutschen Personennamen, während das Grundwort "husen, huson", hochdeutsch "hausen", eine in unserer Gegend sehr verbreitete Bezeichnung für einen aus mehreren Höfen oder aus einem Haupthofe nebst abgezweigten Höfen bestehenden Wohnsitz ist. In ähnlicher weise ist Ünninghausen - vuinchusen (1267) - zu erklären.

Benninghausen liegt in der Lippe-Hellweg-Zone, einem Gebiet, dessen politische und wirtschaftliche Bedeutung im Frühmittelalter mit Ortsnamen wie Soest, Erwitte, Geseke, Herzfeld und Liesborn umrissen ist. Der Ort selbst wird bereits im 9. Jahrhundert erwähnt. Im Werdener Urbar tritt als Höriger des Klosters ein "de benninchuson Enikin cum tribus filiis et filiabus" auf. 1095 erscheint Benninghausen unter den westfälischen Besitzungen des Grafen Huno von Oldenburg, der die Hofsiedlung zusammen mit anderen Gütern an das Kloster Rastede schenkte. 1240 stiftete Johann von Erwitte, der den Besitz in Benninghausen von Rastede zu Lehen hatte, dort ein Kloster. Vom Zeitpunkt der Klostergründung an vergrößerte sich die Siedlung schnell. Sie wuchs zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert von ursprünglich 2 Höfen auf insgesamt 41 Hausstellen, die das Parrochialverzeichnis des Archidiakonats Soest für die Zeit um 1600 belegt.

Von der Existenz einer Kirche in Benninghausen ist aber erst 1240 im Zusammenhang mit der Stiftung des Klosters die Rede, als der bisher von den Herren von Erwitte offenbar als Eigenkirche genutzte Bau in eine Klosterkirche umgewandelt wurde. Doch kann als sicher gelten, dass er wesentlich älter ist als seine früheste Erwähnung in der urkundlichen Überlieferung. Ein Beleg für diese Behauptung ist der heute noch bestehende romanische Westturm, der auf Grund bestimmter Architekturformen auf die Mitte des 11. Jahrhunderts datiert werden kann. Der ganze Turm hat viel Ähnlichkeit mit dem Turm des benachbarten Liesborn, welcher nachweislich auf der Wende des 11. und 12. Jahrhunderts entstand, jedoch bereits stilgerechtere Formen als der unsrige zeigt. Noch weiter zurück weist das St.-Martins-Patrozinium der Kirche, das eine Gründung zum Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erwähnung des Orts nicht ausschließt. Denn der fränkische Heilige lässt sich als Kirchenpatron bereits bald nach der Christianisierung der Sachsen durch Karl den Großen im westfälischen raum nachweisen. Als bekanntestes Beispiel einer frühen Verbreitung des Martins-Kults in Westfalen kann die Gründung der Schwester des Hl. Liudger, Herriburg, in Nottuln angeführt werden, die sie dem Hl. Martin weihte.

Der aktuelle Kirchbau entstand ab 1514 als Saalkirche. Die beiden Seitenkapellen wurden 1892 angebaut. Das reich dekorierte Sakramentshäuschen an der Nordseite besteht aus Baumberger Sandstein und stammt ebenfalls aus der Zeit von 1514 bis 1520. Der dreisitzige hölzerne Chorstuhl an der Südseite ist inschriftlich auf 1523 datiert. Ebenfalls aus dieser Zeit eine Strahlenkranzmadonna sowie der Taufstein. Die Kanzel auf der Nordseite datiert auf das Jahr 1693.

Bei Ausgrabungen 1981 in unserer Kirche hat man nachweisen können, das dieses bereits der dritte Kirchbau an dieser Stelle ist. Der jetzige Kirchbau löste das Gebäude von 1240 ab, welches schon 1509 als sehr baufällig beschrieben wurde.

(Historische Daten aus dem Buch "Geschichtliche Nachrichten über Pfarre und Kloster Benninghausen" von Kaplan Ferdinand Schelhasse, Benninghausen, 1902)

St. Martinus Südseite
© Horst Lutterbüse, 2016-2017
St. Martinus Nordseite
© Horst Lutterbüse, 2016-2017
Foto vor 1900 aufgenommen Foto 1911 aufgenommen
Foto 1980 aufgenommen (vor Renovierung) Foto 1982 aufgenommen (nach Renovierung)
Weitere Fotos folgen in Kürze

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